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Indonesien
Die Schamanen der Wana wer den `tau kawalia' genannt: `Leute mit Geistern'. Der Schamane spielt eine wichtige soziale Rolle. Er kämpft bei seinen Ritualen um die körperliche und seelische Gesundheit des Einzelnen. Der Anteil männlicher Schamanen ist bedeutend höher als der weiblicher Schamanen. Es gibt Schamaninnen, doch sie treten selten öffentlich auf. Oft streben Jugendliche, die mit einem Schamanen verwandt sind, ebenfalls diesen Beruf an. Offizielle Bedingungen müssen sie nicht erfüllen. Die jungen Leute beginnen mit dem Studium von Zauber sprüchen. Sie holen den Rat erfahrener Schamanen ein und gehen alleine in die Wälder oder ins Gebirge. In der Einsamkeit hoffen sie ihre Hilfsgeister zu finden. Dazu gehört Mut, denn es ist nicht ungefährlich, sich Geister oder Dämonen zu Verbündeten zu machen. Wenn die künftigen Schamanen es sich zutrauen, können sie zu diesem Zeitpunkt bereits beim `Mabolong' (s.u.) tanzen. Erfahrene Schamanen werden zu Mentoren von Anfängern und beziehen sie teilweise in die Zeremonie ein. Sie leiten die Adepten und geben Hinweise, da jene die Geisterwelt noch nicht sehen können. Diese Fähigkeit erlangen die meisten Schamanen erst nachdem sie längere Zeit an den Zeremonien teilgenommen haben. Je weiter die Novizen fortgeschritten sind, desto vertrauensvollere Aufgaben werden ihnen übertragen. Ein Adept wird vom angehenden zum fertigen Schamanen sobald die Gruppe ihn als solchen anerkennt, also Vertrauen in seine magischen Fähigkeiten setzt.
Das Mabolong Das `Mabolong' (etwa "Trommelzeremonie") ist eines der wichtigsten schamanistischen Rituale der Wana. Es nehmen einige Patienten, mehrere Schamanen und die Dorfgemeinschaft teil. Der Schamane des Dorfes leitet die Veranstaltung, die anderen Schamanen unterstützen ihn. Die Trommelzeremonie ist primär ein Heilritual, in der ein Schamane um die Gesundheit des Patienten kämpft. Sie erfüllt jedoch auch politische Zwecke da sie für inneren und äußeren Zusammenhalt der Gruppe sorgt. Die Wana leben in lockeren Dorfgemeinschaften im Wald. Sie legen durch Brandrodung ihre Felder an und ziehen weiter wenn diese erschöpft sind. Außer der Loyalität Nachbarn, Freunden und Verwandten gegenüber gibt es keine Kraft, welche die Leute hindert, in eine andere Wohngruppe zu ziehen. Ein angesehener Schamane kann die Familien ans Dorf binden, da er ihre Gesundheit erhält. Die Haushalte, zu denen die Patienten gehören, richten das `Mabolong' aus. Sie bereiten einen Tisch mit Erfrischungen für die Schamanen und ihre Hilfsgeister vor. Zum Rhythmus von Trommeln und Bronzegongs tanzt und singt der Schamane dann. Sein Tanz besteht aus einer Art Hüpfen mit angewinkelten Armen. Er lädt seine Hilfsgeister zur Zeremonie, bittet um Hilfe und Begleitung bei der Geistreise. Dabei geht es meist um die Untersuchung der Erkrankten, das Aufspüren störender Objekte und die Wiederbeschaffung verlorener Persönlichkeitsteile der Patienten. Als Preis für ihre Mitarbeit fordern die Geister eine bestimmte Speise. Während der Trance teilt der Schamane der Gruppe diesen Wunsch in verschlüsselter Sprache mit. Nur wenn die Dorfbewohner herausfinden, was die Hilfsgeister begehren, kann die Zeremonie weiter gehen. Lösen die "Zuschauer" das Rätsel nicht, besteht die Möglichkeit, daß der Hilfsgeist dem Schamanen die Unterstützung verweigert. Die Seele des Schamanen ist gekränkt, bleibt bei den Hilfsgeistern und läßt den Körper des Schamanen bewußtlos zurück. Mit der Seelenflucht deutet er (unbewußt) seine Unzufriedenheit mit den Zuschauern an, die ihn nicht genug beigestanden oder vertraut haben. Er muß dann selber von einem anderen Schamanen geheilt werden. Die Beschaffung der Hilfsgeisterspeise ist Teil des Interaktionsmusters zwischen Schamane, Gruppe und Patient. Beim `Mabolong' verhält sich der Patient passiv, (er kann sogar in Abwesenheit behandelt werden), der Schamane löst auf seiner Geistreise die Probleme für ihn. Damit dieser die Reise, begleitet von Schutzgeistern, antreten kann, muß er sich der Mitwirkung der Gruppe versichern. Das Ritual ist also auch Selbstdarstellung des von Publikum abhängigen Schamanen. Verweigern die "Zuschauer" die Mitarbeit oder fehlt der Gruppe das Vertrauen in seine Fähigkeiten, bedarf er selber der Heilung und Hilfe.
Linda Budinger
Verwendete Literatur: Atkinson, Jane Monnig; 1981 "The Art and Politics of Wana Shananship". Berkeley. University of California Press 1987 "The Effectiveness of Shamans in an Indonesian Ritual". American Anthropologist 89: 342 - 352 Lee, Jung Young; 1981 "Korean Shamanistic Rituals". The Hague. Mouton Publishers Thiel, Josef Franz; 1984 "Religionsethnologie". Berlin. Dietrich Reimer Verlag
Lesetipp: Piers Vitebsky 1998 "Schamanismus" München Knaur |