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Der Wolf, oder auch “canis lupus” (lat.), ist in verschiedenen phänotypischen Erscheinungen weltweit ubiquitär auf der nördlichen Hemisphäre vertreten. Er ist ein carnivor (d.h. fleischfressend) lebender Räuber, wird allgemein als Stammvater des Haushundes angesehen und ist in seiner Statur einem großen, langbeinigen Schäferhund sehr ähnlich. Seine Körperlänge erreicht ein Maximum von etwa 160cm und eine Widerristhöhe von 85cm. Er ist ein Zehenläufer und erreicht bei optimalem Untergrund eine maximale Geschwindigkeit von ca. 65km/h.
Sinne Seine Ohren sind drehbar und von trichterförmiger Struktur. Sein Gehör ist sehr hoch entwickelt. Er kann bis zu 10km entfernte Geräusche wahrnehmen und orten. Der Gehörsinn ist auch im Schlaf aktiv, so daß entstehende Gefahrensituationen frühzeitig wahrgenommen werden können. Der Gesichtssinn ist dafür umso schlechter entwickelt. Scharfe Sicht ist nur in einer Entfernung bis zu 50m möglich. Da die Augen nach vorne hin ausgerichtet sind, ist jedoch dreidimensionales Sehen möglich. Die Frage, ob Wölfe ein Farbspektrum wahrnehmen können, ist bis heute nicht endgültig geklärt. Nach allgemeiner Ansicht jedoch ist ihm Farbwahrnehmung nicht möglich. Das Nachtsichtvermögen ist jedoch weitaus besser als das des Menschen, da die Sehzellen wesentlich sensitiver gebaut sind. Der mit Abstand wichtigste Sinn für Wölfe und Hunde ist der Geruchssinn. Dieser ist nach heutigem Wissen mindestens 100 bis 1000 mal besser ausgeprägt als der des Menschen. Unter guten Bedingungen können Wölfe eine Beute noch auf bis zu 3km Entfernung riechen. Spuren können noch nach drei Tagen wahrgenommen werden. Der Geruchssinn spielt aber nicht nur auf der Jagd eine Rolle, sondern die Wölfe erkennen sich auch gegenseitig am Geruch.
Jagd und Sozialverhalten Im Sommer meist einzeln lebend, rotten Wölfe sich im Winter, in dem auch die Ranzzeit (Paarungszeit) liegt, zu Rudeln zusammen, da es einer kooperierten Anstrengung bedarf, auch größere Beutetiere erjagen und töten zu können. Unter den Weibchen wie unter den Mänchen eines Rudels besteht eine strenge Rangordnung. Die Alpha-Wölfin kontrolliert das Paarungsverhalten der anderen Weibchen. Wenn reichlich Nahrung vorhanden ist, paart sie sich und gestattet dies auch anderen Weibchen. Bei Nahrungsknappheit läßt sie weniger Paarungen anderer Weibchen zu und sichert somit ihren eigenen Jungen eine größere Nahrungsmenge. Da die Alpha-Wölfin unter normalen Bedingungen auch das überlebensfähigste Weibchen ist, wird der Bestand an genetisch dege-nerierteren Tieren dadurch effizient kontrolliert. Nach einer Tragzeit von etwa 9 Wochen wirft eine Wölfin zwischen 2 bis 10 blinde Junge. Wölfe leben, bis auf einige wenige Nomadenstämme, in großen Revieren, die mehrere hundert Quadratkilometer groß sein können. Die Grenzen ihres Territoriums werden durch Duftmarken und nächtliches Heulen gesetzt. Beim Aufeinandertreffen mehrerer Rudel kommt es dann zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Streunende Einzeltiere werden jedoch häufig in die Gemeinschaft integriert. Die Reviergrenzen werden nur gegen Artgenossen verteidigt. Andere Tiere können frei migrieren. Wölfe sind ein Beispiel für das agonistische Verhalten, bei dem es um die Verteilung von Ressourcen durch ein konkurrierendes Sozialverhalten geht. Hierbei wird durch Kämpfe und Gebärden versucht, eine Überlegenheit über ein anderes Individuum zu erreichen. Eingesetzt werden dazu Drohgebärden, wie das Blecken der Zähne, Aufstellen der Ohren, Anheben des Schwanzes und das Sträuben der Haare. Dabei stehen sie hoch aufgerichtet und blicken sich gegenseitig direkt in die Augen, eine weitverbreitete Affront-Geste. All dies läßt sie groß und bedrohlich erscheinen. Der schließlich Unterlegene glättet sein Fell, kneift den Schwanz ein und schaut zur Seite, unterbricht also den Augenkontakt. Dieses Beschwichtigungsverhalten hemmt die Aggression des Gegners. Ein Großteil dieses Verhaltens ist hier ritualisiert, besteht also aus symbolischen Handlungen, so daß keiner der Gegner ernsthafte Verletzungen davonträgt. Ein weiteres, bei Wölfen beobachtetes Verhaltensmuster, ist das des reziproken Altruismus. Hierbei handelt es sich um das Teilen wichtiger Ressourcen (z.B. Futter) mit nicht rudelzugehörigen Artgenossen, oder sogar artfremden Tieren. Sogar eine “Aufzucht” eines menschlichen Babies wird Wölfen nachgesagt, wobei dies eher dem Abschnitt der Mythologie zugehört, da es sich um nicht wirklich bewiesene Legenden handelt. Tatsächlich wird altruistisches Verhalten jedoch häufig beobachtet.
Gestern und Heute Die Wolfspopulationen in Westeuropa sind seit dem Mittelalter nahezu ausgelöscht worden. Europäische Überlieferungen berichten von zahlreichen Wolfsangriffen auf Menschen und deren Nutzvieh. Bis heute ist jedoch kein Fall belegt, in dem ein gesunder Wolf einen Menschen angegriffen oder getötet hätte. Belegte Fälle von Übergriffen auf Menschen wurden stets von kranken oder verletzten Tieren begangen. Aus diesem Grunde steht der Wolf seit der Berner Convention 1989 unter Naturschutz. Trotz dieser Untersuchungen werden Wölfe in Westeuropa auch heute noch abgeschossen. Dieses Fehlverhalten wird seit 1991 durch die “Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V.” geahndet. In den meisten Fällen trifft man den Wolf heute in Wildparks an. Verbreitet ist er jedoch immer noch in Osteuropa und Sibirien, Alaska, Kanada und im nördlichen Teil der USA. In den letzten Jahren ist jedoch auch in Westeuropa ein erneutes Ansteigen der wildlebenden Populationen zu beobachten. Zu den wenigen nativen Populationen wandern hier neue Einzeltiere, aber auch ganze Rudel, ein. Wölfe streben aus Polen nach Brandenburg, wo 1823 das letzte Tier erlegt wurde. Sie fallen von Italien ins schweizerische Wallis, Tessin und in Graubünden ein. Im Saarland ist der unzähmbare Urahn aller Pinscher und Pudel, Doggen und Dobermänner ebenfalls im Merziger Kammerforst heimisch geworden. Eben hier lebt übrigens auch der bekannte Stabsfeldwebel a.D. Werner Freund mit seinen 25 Wölfen in einem Minireservat. Er übernimmt hier die Funktion des Rudelleiters. Das Räuber/Beute-System, welches auf der Isle Royale des Lake Superior beobachtet wurde, gehört zu den am besten untersuchten seiner Art. Um 1900 wanderten einige Elche (Alces alces) über den zugefrorenen Lake Superior auf diese, vorher elchfreie, etwa 550 qkm große Insel ein. Durch das Fehlen jeglicher Raubtiere wuchs die Population dann bis 1935 auf etwa 3000 Tiere an, zerstörte jedoch im Verlauf dieses massiven Populationswachstums nahezu die gesamten einheimischen Gras- und Buschfluren der Insel. In dem Jahr darauf kam es zu einem Massensterben der Elche, dem etwa 90 % der Tiere zum Opfer fielen. Dieser Vorgang wiederholte sich 1948, als die Elchpopulation erneut auf etwa 3000 Tiere angestiegen war. Erst als 1948 einige Wölfe die Insel über das winterliche Eis erreichten und anfingen die Elchpopulation zu bejagen, pendelte sich der Bestand an Elchen auf einen konstanten mittleren Wert ein. Seit Anfang der siebziger Jahre existiert nun ein offenbar stabiles Räuber/Beute-System aus etwa 800 Elchen und 25 Wölfen, welches auch auf das mit ihm vernetzte Elch/Gras-System stabilisierend wirkte. |